Zusammenhang zwischen reduziertem Schlaf und Gewichtsstatus bei Kindern und Jugendlichen mit affektiver Dysregulation (ZuSchlaG-AD)

Hintergrund

Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen haben sich in den letzten Jahren weltweit mehr als verdoppelt. Um diesem Trend entgegenzuwirken, müssen neue Elemente zur Verbesserung präventiver und therapeutischer Maßnahmen entwickelt werden. In jüngerer Zeit ist die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen verkürzter Schlafdauer und der Entwicklung von Übergewicht in den Fokus des Forschungsinteresses gerückt, welcher neben möglichen präventiven Ansatzpunkten auch in der Gewichtsreduktionsbehandlung als zusätzliches Behandlungselement vielversprechend erscheint. Ein kritischer Punkt ist, dass die bisherigen Befunde meist an der Allgemeinbevölkerung erhoben wurden und ein möglicher moderierender Einfluss psychischer Störungen und mangelnder Impulskontrolle vernachlässigt wurde. Dies scheint ein wichtiger Punkt zu sein, da zum einen Adipositas mit einer erhöhten psychiatrischen Komorbidität sowie enthemmten Essverhalten assoziiert ist und zum anderen gestörter Schlaf insgesamt mit stärkeren psychopathologischen Auffälligkeiten wie Defiziten in der affektiven Regulation in Zusammenhang steht. Es ist festzustellen, dass bislang aus unterschiedlichen Bereichen Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Gewichtsstatus und a) gestörtem Schlafverhalten sowie b) erhöhter Impulsivität vorhanden sind. Allerdings sind Wechselwirkungen und zugrundeliegende Mechanismen vor allem unter Berücksichtigung des Auftretens psychiatrischer Störungen, welche mit Störungen der Impulskontrolle wie dem Symptomkomplex der affektiven Dysregulation einhergehen, bislang ungeklärt.

Ziele

Ziel der vorliegenden Studie ist es, zu prüfen,

  • inwiefern die in der Allgemeinbevölkerung gefundenen Zusammenhänge zwischen reduziertem Schlaf und Gewichtsstatus unter Beachtung des Faktors Impulsivität sich in einer Stichprobe mit psychiatrisch kranken Kindern und Jugendlichen replizieren lassen.

  • inwiefern die erwarteten Zusammenhänge sich insbesondere bei Störungsbildern mit erhöhten Defiziten der Impulskontrolle wie dem Störungskomplex der affektiven Dysregulation abbilden lassen.

Es wird erwartet, dass im Querschnitt ein positiver Zusammenhang zwischen gestörtem Schlaf und Gewichtsstatus nachweisbar ist und dieser Zusammenhang mit der Ausprägung der Symptome affektiver Dysregulation steigt. Wir nehmen darüber hinaus an, dass ein gestörtes Essverhalten ebenfalls mit gestörtem Schlaf und affektiver Dysregulation positiv assoziiert ist und den Gewichtsstatus beeinflusst.

Methodik/Vorgehensweise

Das Vorhandensein gestörter Impulskontrolle soll sowohl in Form behavioraler Messmethoden (go/nogo, signal stop task) als auch im Selbstbericht (Barratt Impulsiveness Scale (BIS-11)) untersucht werden. Psychiatrische Komorbidität soll neben der Erfassung der Diagnosen mithilfe der Krankenhausakte in Form des Symptomkomplexes der affektiven Dysregulation anhand der Subskala Dysregulationsprofil des Strengths and Difficulties Questionnaire (SDQ) (als Äquivalent zur Child Behavior Checklist (CBCL)) untersucht werden. Zudem sollen unterschiedliche Formen und Muster von Schlafstörungen erfasst (Schlaffragebogen B – revidierte Fassung (SF-B/R), Horne-Ostberg-Morningness-Eveningness-Questionnaire (MEQ)) und deren Auswirkung auf den Gewichtsstatus (BMI, Fettmasse) und die psychiatrische Komorbidität unter Berücksichtigung des Essverhaltens (Fragebogen zum Essverhalten (FEV)) hin überprüft werden. Die Daten werden an, im Verlauf eines Jahres konsekutiv in die stationäre Behandlung der LWL Universitätsklinik Hamm für Kinder- und Jugendpsychiatrie aufgenommenen, Patienten im Alter zwischen 12 und 18 Jahren erhoben.

Projektleitung

PD Dr. rer. nat. habil. Tanja Legenbauer
LWL Universitätsklinik Hamm für Kinder- und Jugendpsychiatrie
Ruhr Universität Bochum
Heithofer Allee 64, 59071 Hamm
Telefon: 02381/8935054
Fax: 02381/8931169
E-Mail: tanja.legenbauer@rub.de
  

Prof. Dr. Dr. Martin Holtmann
Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters
LWL Universitätsklinik Hamm für Kinder- und Jugendpsychiatrie
Ruhr Universität Bochum
Heithofer Allee 64, 59071 Hamm
Telefon: 02381/8931069
Fax: 02381/8931169
E-Mail: martin.holtmann@wkp-lwl.org

Kooperationspartner

Prof. Dr. Johannes Hebebrand
Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters
LVR-Klinikum Essen
Kliniken der Universität Duisburg-Essen
Wickenburgstr. 21, 45147 Essen
Telefon:  0201/8707466
Fax:  0201/8707302
E-Mail: johannes.hebebrand@uni-due.de

Links

LWL Universitätsklinik Hamm für Kinder- und Jugendpsychiatrie

LVR-Klinikum Essen

 

zurück zu Assoziierte Projekte