"Inside Obesity" - Implikationen für die Forschung aus der ‚Lebenswelt‘ extrem adipöser Jugendlicher und ihrer Familien

Hintergrund

In der gegenwärtigen Adipositasforschung bleiben die Perspektiven der Betroffenen nach wie vor weitestgehend außer Betracht, obwohl vor dem Hintergrund wachsender Einsicht in die Komplexität der Adipositas als Epiphänomen sozialer, ökonomischer und politischer Entwicklungen gerade die ‚Lebenswelt‘ adipöser Personen ein vielversprechend Forschungsfeld darstellt. Durch die systematische Erhebung ‚subjektiver Ätiologien‘, d.h. die lebensweltliche Deutung der Adipositasgenese können sozialethisch und -wissenschaftlich orientierte Forschungsansätze insbesondere in der Präventions- und der Stigmatisierungsforschung wertvolle Ergänzungen zu gängigen Forschungsdesigns liefern und z.B. zur Identifizierung von Effektivitätsmarkern oder zur präzisen Erfassung von Formen und biographischen Verortung von Stigmatisierungserfahrungen beitragen.  Qualitative Methoden sind derzeit in der Adipositasforschung allerdings unterrepräsentiert, so dass sich sowohl in methodischer wie in inhaltlicher Hinsicht wissenschaftliche Desiderate identifizieren lassen, die zukünftig verstärkter Aufmerksamkeit bedürfen.

Ziele

  • Erhebung ‚subjektiver Ätiologien‘ der Adipositas bei betroffenen Jugendlichen und ihren Familien und damit Verortung der Adipositasgenese in der Lebenswelt
  • Identifizierung von Auffassungen zu potentiell wirksamen Präventionsmaßnahmen aus der Retrospektive der Betroffenen
  • Identifizierung biographischer Orte von Stigmatisierungserfahrungen in der Lebenswelt extrem adipöser Jugendlicher
  • Weiterentwicklung qualitativ-sozialwissenschaftlicher Methoden in der Adipositasforschung

Methodik/Vorgehensweise

Die zur Erfüllung der Forschungsziele eingesetzte qualitative Methodik hat ihren Kern in (au-to)biographisch fundierten, sowohl narrative als auch reflektierend-argumentative Elemente umfassenden, problemzentrierten und familiär basierten Interviews. Die Interviews werden mit extrem adipösen Jugendlichen (Alter mind. 14 Jahre) sowie erwachsenen Haushaltsangehörigen, in der Regel den Erziehungsberechtigten, durchgeführt. An den Standorten Essen und Marburg werden insgesamt 20 Familien mit  max. 60 Einzelpersonen in die Untersuchung einbezogen. Die semi-strukturierten Gespräche (jeweils ca. 45 Min) werden entlang eines etablierten, für das familiäre Setting adaptierten Leitfadens geführt, aufgezeichnet und transkribiert. Die Auswertung erfolgt mittels eines themen- und problemzentrierten Schemas. Dabei werden die erhobenen Daten der Jugendlichen sowie der Eltern / Erziehungsberechtigten zunächst separat ausgewertet und anschließend auf Konvergenzen und Divergenzen hin untersucht. Nachdem die ‚Lebenswelt‘ und die ‚subjektiven Ätiologien‘ konturiert wurden werden die Daten im dritten Schritt auf die in dieser Studie besonders fokussierten Fragestellungen im Bereich Prävention und Stigmatisierung bezogen.

Projektleitung

Dr. Jens Ried
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Lehrstuhl für Systematische Theologie / Ethik
Kochstraße 6, 91056 Erlangen
Telefon: 09131/8526076
Fax: 09131/8526020
E-Mail: Jens.Ried@theologie.uni-erlangen.de

Kooperationspartner

Prof. Dr. Johannes Hebebrand
LVR-Klinikum EssenKlinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters
Universität Duisburg-Essen
Wickenburgstraße 21, 45147 Essen 

Jun.-Prof. Dr. Andrea S. Hartmann Firnkorn
Institut für Psychologie
Universität Osnabrück
Seminarstraße 20, 49074 Osnabrück

Dr. Dr. Ricarda Nater-Mewes
Fachbereich Psychologie
Philipps-Universität Marburg
Gutenbergstraße 18, 35037 Marburg

Links

Lehrstuhl für Systematische Theologie / Ethik, Universität Erlangen

LVR-Klinikum Essen

Institut für Psychologie, Universität Osnabrück

Fachbereich Psychologie, Philipps-Universität Marburg

 

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