Strukturierte Psychoedukation für arbeitslose Jugendliche mit extremer Adipositas - multizentrische Beobachtungsstudie (Machbarkeitsstudie). Structured psychoeducation for unemployed adolescents with extreme obsity in a multicenter observational study focusing on feasibility - the STEREOplus study.

Hintergrund

Konventionelle verhaltenstherapeutische Gewichtsreduktionsprogramme für Kinder und Jugendliche, die auf eine Reduktion der Energieaufnahme und eine Steigerung körperlicher Aktivität setzen, zeigen insgesamt eine geringe Wirksamkeit, insbesondere bei Jugendlichen mit extremer Adipositas (Danielsson et al., 2012). Nach unserer eigenen systematischen Übersicht und Auswertung verfügbarer konventioneller Gewichtsreduktionsprogramme, die sich an Kinder und Jugendliche richten, wird eine durchschnittliche Gewichtsreduktion erreicht (Mühlig et al., in Druck). Sozial benachteiligte Jugendliche suchen selten aktiv eine Behandlung ihrer Adipositas und werden durch die bestehenden Versorgungsstrukturen derzeit nicht erreicht. Obwohl in der Literatur häufig spezialisierte Versorgungsansätze für Hochrisikogruppen arbeitsloser und sozial benachteiligter Individuen gefordert werden (Dragano et al., 2007), ist uns bisher kein entsprechender Ansatz für Jugendliche mit extremer Adipositas bekannt.

Die Adipositas-Chirurgie wird immer häufiger auch bei Jugendlichen angewandt (Sachdev et al., 2014; Willcox et al., 2014), wobei in der Regel ein signifikanter Gewichtsverlust erreicht werden kann. Bei Jugendlichen mit niedrigem Sozialstatus sollte im Falle einer Erwägung einer bariatrischen Operation in besonderem Maße die Adhärenz fokussiert und eine strukturierte interdisziplinäre Operationsvorbereitung und Nachsorge eingeleitet werden.

Vorhabenziel

primär:

  • Definition der Akzeptanz und Adhärenz (Teilnahmeraten an den jeweiligen diagnostischen Prozeduren und Schulungseinheiten), der Teilnahme auf dem ersten und zweiten Arbeitsmarkt (Veränderung im Anteil selbst berichteter Teilnahme in Schule, Ausbildung oder Arbeit) sowie der Body-Mass-Index-Veränderung)

sekundär:

Untersuchungen der

  • Veränderungen (Eingangsuntersuchung - 6 Monats-Follow-up) der sechs Skalen des DISABKIDS (Lebensqualität) (Schmidt et al., 2006)
  • Veränderungen (Eingangsuntersuchung - 6 Monats-Follow-up) der Depressionswertung, ermittelt durch die revidierte "Beck´s Depression Inventory II" (Beck et al., 1996; Besier et al., 2008)
  • Veränderungen (Eingangsuntersuchung - 6 Monats-Follow-up) in der Selbstwertschätzung (revidierte deutsche Version Rosenbergs´ allgemeine Selbstwertschätzungs-Skala, Collani und Herzberg, 2003)
  • Veränderungen (Eingangsuntersuchung - 6 Monats-Follow-up) im perzipiertem Stress unter Verwendung der deutschen Version der Skala für perzipierten Stress (Fliege et al., 2005)
  • Veränderungen in der Rate somatischer und psychiatrischer Komorbiditäten (Eingangsuntersuchung - 6-Monats-Follow-up)
  • Veränderungen (Eingangsuntersuchung - 6 Monats-Follow-up) in der selbst angegebenen Zeit (Stunden), die außer Haus verbracht wurden
  • Veränderungen im Anteil selbstberichteter Kontaktaufnahme zu einem Arzt/Psychotherapeuten

Vorgehensweise

Die Rekrutierung in Teilprojekt 2A erfolgt zunächst über den jeweiligen Arbeitsvermittler und Fallmanager der fünf regionalen JobCenter Essen, Mühlheim an der Ruhr, Oberhausen, Bottrop und Gelsenkirchen. Interessierte Jugendliche erhalten ausführliche Informationen zum Ablauf des Programmes. Zur Teilnahme an der Untersuchungsterminen sowie zum Schulungsprogramm werden die Jugendlichen in die Räumlichkeiten der hiesigen Klinikambulanz eingeladen. Es erfolgt eine medizinische Eingangsuntersuchung sowie eine psychologische Diagnostik anhand standardisierter Fragebogeninstrumente. Die niederschwellige Manual-basierte multimodale Intervention besteht aus sechs 2-wöchentlichen Schulungseinheiten von 90 Minuten Dauer. Im weiteren Verlauf erhalten alle Jugendlichen, die die Schulungstermine regelmäßig wahrgenommen haben (mind. 5 von 6 Sitzungen in 6 Monaten ab Behandlungsbeginn), das Angebot zur weiterführenden Teilnahme an einem Informationskurs zur bariatrischen Chirurgie. Interessierte Jugendliche werden in Teilprojekt 3 der JA-Studie eingeschlossen und erhalten neben der strukturierten Operationsvorbereitung im Falle einer tatsächlich durchgeführten Operation auch eine langfristig angelegte interdisziplinäre Nachsorge. Jugendliche, die keine Operation anstreben, werden je nach Indikation bezüglicher alternativer Behandlungsmöglichkeiten und weiterführender Maßnahmen beraten und ebenfalls im Rahmen von Teilprojekt 1A regelmäßig nachuntersucht.

Projektleitung

Prof. Johannes Hebebrand
Klinik für Psychatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, Universitäts Duisburg-Essen
E-Mail: johannes.hebebrand@uni-due.de

Ansprechpartner

Dr. Yvonne Mühlig

Dr. Nadja Knoll

Kontakt

Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und
Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters
LVR-Klinikum Essen
Kliniken der Universität Duisburg-Essen

Wickenburgstr. 21
45147 Essen
Tel.: 0201 / 87 07 – 466
E-Mail: ja-studie@uni-due.de

Projektpartner